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07 | 02 | 2012
17.8.2002 Hochwasser Dessau PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, den 02. Dezember 2008 um 21:32 Uhr

Text und Bilder: Michael Will Neue Presse Ebern, wenn nicht anders angegeben.

Hochwasser in Dessau

Abschlussbild

Die aus Dessau zurückgekehrten Kameraden (nicht alle im Bild, sondern im schon im Bett) der Feuerwehren Hofheim, Ermershausen und Friesenhausen mit 2. Bürgermeister Wolfgang Borst (Text FW Hofheim)



e_dessau_03Bild: German Schneider

21.8.2002 Presseberichte (Mainpost) zur Rückkehr der Feuerwehrkameraden

Frust bei den Feuerwehrleuten

Katastrophenhelfer zurück - Stolz auf geleistete Arbeit
Hofheim (gs) Trotz harter Arbeit, körperlichen Strapazen und vielen Entbehrungen waren Hofheims Feuerwehrleute mit großem Engagement an der Katastrophen- Front in Dessau, um Hilfe zu leisten.
Am Montag wurde ein Teil der Mannschaft ausgetauscht und mit dem Bus des Landkreises nach Dessau gebracht.
Zusammen mit den noch anwesenden Feuerwehr-Kameraden leisteten dann die neuen, frischen Kräfte lediglich noch eine Schicht. Denn um 2130 Uhr kam auch für sie das Ende. "Die Bayern werden nicht mehr benötigt", hieß es (wir berichteten).
Für die vielen Zivilisten, die Hand in Hand mit den bayerischen Feuerwehrleuten arbeiteten, brach eine Welt zusammen. Und auch die jungen Feuerwehrleute aus den Haßbergen waren enttäuscht.
Am Dienstag früh packten sie ihre Sachen und fuhren wieder Richtung Heimat. Trotz des unrühmlichen Abschlusses, so Einsatzleiter Peter Hegemann, habe der längste Einsatz den Feuerwehrleuten viele Erfahrungsmomente beschert.
Und stolz können die Feuerwehrleute auch sein, sie haben nicht nur ihre Aufgabe bestens erfüllt, sondern auch den Menschen im Katastrophengebiet sehr geholfen.


Sand nicht nur in Säcken, sondern auch im Getriebe

Nicht alles lief reibungslos beim Einsatz der Feuerwehren im Hochwassergebiet
lkr. hassberge (GS) Am Montag kam das erste Kontingent an Feuerwehrhelfern zurück. Die meisten Feuerwehrleute wären noch gerne geblieben, weil sie die Not der Bevölkerung erlebten (wir berichten oben). Umso erstaunter waren sie, als sie am Dienstag früh von ihren zurückgebliebenen Kameraden über Handy erfuhren, dass diese verärgert heimgefahren sind.
Grund scheinen kleinliche Zänkereien zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und Bayern zu sein. Von der Sicherung eines bedrohten Dammes bei Dessau wurden auch die Feuerwehren aus den Haßbergen am Montagnacht um 2130 Uhr abgezogen. Ein Fax vom Land Sachsen-Anhalt hatte den Tenor: "Wir brauchen die Bayerischen Feuerwehren nicht mehr."
Für Stephan Schüll und Gerhard Gräf von der Hofheimer Feuerwehr der blanke Hohn. Sie sind sich einig. Gerade jetzt wäre die technische Hilfe der Feuerwehr mit ihrem Gerät notwendig. "Bisher waren wir nur Arbeitsameisen, die mit den Händen gearbeitet haben, jetzt, wo unsere Fahrzeuge mit dem technischen Gerät zum Einsatz kommen könnten, werden wir abgezogen."
Und Schüll weiter: "Aufgaben gibt es ohne Ende, ich bin froh, dass ich den Betroffenen nicht ins Auge schauen muss, wenn die Feuerwehr abzieht." Für Schüll ist es politisches Kalkül auf höchster Ebene, das hier den weiteren Einsatz beendet. Um 330 Uhr kam ein erneutes Fax aus Sachsen-Anhalts Innenministerium: "Wir brauchen die Bayern doch." Allerdings hatten diese sich schon auf ihren Rückzug vorbereitet.
Überhaupt hätte auch in der Organisation nicht alles geklappt. So mussten sich die Feuerwehren teilweise selbst um ihren Einsatzort kümmern, da sie sonst nur herumgestanden wären. "Warum hat man nicht jeder Einsatzgruppe einen einheimischen Feuerwehrmann zugeordnet", fragt sich Gerhard Gräf. Immer dann, wenn Einheimische und Helfer aus der Fremde zusammenarbeiteten, hätte alles wie am Schnürchen geklappt. Auch die Suche nach dem Einsatzort sei chaotisch gewesen.


Helfer schilderten ihre Eindrücke
Übermüdete Heimkehrer

HASSFURT (GS) 39 Helfer kamen am Montagabend mit einem Bus aus dem Katastrophengebiet Dessau zurück. Stellvertretender Landrat Heinz Krönert empfing die freiwilligen Helfer und lobte ihr Engagement. "Wir hatten mehr Meldungen von Freiwilligen, als wir überhaupt schicken konnten", sagte er. Einige Helfer schilderten dem Boten vom Haßgau ihre Eindrücke.
Kreisbrandinspektor Werner Stumpf: Die Mannschaft war voll motiviert bis zum Ende. Es war wirklich super.
Daniel Marschner, Feuerwehr Haßfurt: Es war beeindruckend mit der Bevölkerung mit aller Kraft ihre Stadt zu verteidigen. Wir haben alles getan und gut geholfen, wenn auch einige Stadtteile verloren gingen.
Rainer Schnös, Feuerwehr Haßfurt: Wir haben den Damm bei der Kläranlage in Dessau abgesichert und mussten unzählige Sandsäcke von Hand zu Hand weiterreichen. Am ersten Tag, als wir ankamen, war es der pure Wahnsinn, wie viel Zivilisten auf dem Damm standen, die haben wir dann abgelöst.
Andreas Jahnel, Feuerwehr Stettfeld: Es war viel schlimmer, als man im Fernsehen gesehen hat. Die Zusammenarbeit und die Kameradschaft der Feuerwehr waren optimal.
Martin Hering, Feuerwehr Stettfeld: Die Bevölkerung war sehr hilfsbereit, wenn wir uns einmal verfahren haben, wollten alle helfen. Trotz der Probleme, die sie hat, ist die Bevölkerung gut drauf. Geschlafen haben wir in den drei Tagen kaum.
Stephan Schüll, Feuerwehr Hofheim: Es war begeisternd, was die Bevölkerung geleistet hat. Ich lernte einen jungen Mann kennen, der 20 Kilometer mit dem Fahrrad zum Einsatzort fuhr und tagelang geholfen hat. Auch viele Frauen und junge Mädchen beteiligten sich am Sandsackfüllen. Jeder, der einen Kombi hat, nutzte ihn für den Sandsacktransport.
Gerhard Gräf, Feuerwehr Hofheim: Ich hatte den Eindruck, die Südbayern hatten bei der Einsatzleitung die besseren Karten. Einmal mussten wir zweieinhalb Stunden auf die Ablösung warten.
Uwe Harnauer, Hafenpreppach: Es war interessant, einmal festzustellen, wann man an seine Grenzen stößt. Trotz dem Ernst der Lage haben wir viel gelacht, vielleicht ist deshalb alles gut gelaufen. Jetzt gehe ich erst mal unter die Dusche.


Wir wurden gefeiert wie Helden

HASSFURT Herzlich und stolz begrüßte Stellvertretender Landrat Heinz Krönert die 39 Feuerwehrleute, die am Montag von ihrem Katastropheneinsatz aus Dessau zurückkamen. Sie wurden ersetzt von 55 neuen Feuerwehrleuten aus Haßfurt, Hofheim, Prappach, Unterpreppach, Eltmann, Ebelsbach, Sand, Zeil, Steinsfeld, Rentweinsdorf, Unterschleichach, Ermershausen, Obertheres und Nassach, die am gleichen Tag mit dem Bus in die Katastrophenzone starteten.
Ein Teil des Feuerwehrkontingentes aus den Haßbergen wurde ausgetauscht "Es tat weh, die Kameraden verlassen zu müssen, alle hätten gerne noch weitergeholfen, jedoch aus den verschiedensten Gründen mussten die 39 Mann heimkehren", so KBI Werner Stumpf am Montagabend bei der Rückkehr des Helferkontingents. Nach rund fünf Stunden Busfahrt stiegen die 39 Mann müde und erschöpft aus dem Bus, wurden kurz begrüßt und verschwanden schnell in den bereit stehenden Autos. Erst mal duschen, ein Bierchen als Schlummertrunk und dann im weichen Bett einschlafen, war der allgemeine Wunsch der Helfer, denen die körperliche Belastung der letzten zwei Tage ins Gesicht geschrieben war.
Eingesetzt waren sie in Dessau, einer rund 100 000 Einwohner starken Industriestadt am Zufluss der Mulde in die Elbe. In zehn Abschnitten verteidigte buchstäblich das bayerische Feuerwehrkontingent mit über 2 000 freiwilligen Feuerwehrleuten den Damm an der Elbe. Im Brennpunkt stand zunächst die Sicherung des Industrieparks und später der Kläranlage. Gerade letztere war eminent wichtig, denn wäre die Kläranlage überschwemmt worden, so KBI Stumpf, würden die Gullydeckel durch die Luft fliegen.
"Florian Bayern", so der Funkcode, hatte seinen Abschnitt jedoch gut im Griff und verstand sich mit den Sachsen bestens. "Wir wurden gefeiert wie die Helden", erzählt ein junger Feuerwehrmann begeistert und ist beeindruckt von der Bevölkerung, die ihre Stadt mit Mann und Maus verteidigt. Im Sechs-Stunden-Rhythmus sollten die Helfer im Wechselspiel Arbeit und Erholungsphasen abwickeln, meistens jedoch waren die Arbeitsphasen länger.
Vor allem körperliche Arbeit war angesagt. Der schwammige Deich ließ kein schweres Gerät zu, so musste eine Menschenkette herhalten. Durch viele Hände wanderten die rund zehn Kilo schweren Sandsäcke, bis sie der letzte Mann in die Deichlücke einpasste.
"Eine nicht ungefährliche Arbeit", so Einsatzleiter Werner Stumpf, wenn auf der anderen Dammseite nur Wasser zu sehen sei. Doch die Leute waren so beschäftigt, dass sie gar nicht an die Gefahr dachten.
Während die Dammarbeiten hauptsächlich von den Feuerwehrleuten und einigen Spezialisten des norddeutschen THW organisiert wurden ("die haben Erfahrung mit Dammbau"), wurden die vielen Helfer aus der Bevölkerung zum Füllen von Sandsäcken eingesetzt. Dazu war auf dem Flugplatz ein riesiger Umschlagplatz für den Sand angelegt. Beleuchtet von einem Heliumballon des THW wurden auch in der Nacht fleißig Sandsäcke gefüllt.
Ein Feuerwehrmann: "Es war wie ein riesiger Ameisenhaufen, ständig kamen große Sattelschlepper, kaum war der Sand abgekippt, stürzten sich Alt und Jung auf den Haufen und füllten Säcke." Im ständigen Pendelverkehr brachten Caravans, Autos mit Anhänger, Klein-Lkws die Säcke an den Deich. Der Nachschub klappte reibungslos. Wobei einige Feuerwehrleute der Meinung waren, kleinere Fahrzeuge wären besser gewesen als die großen Feuerwehrautos, zumal die Pumpen bisher nicht zum Einsatz kamen.
Für die Feuerwehrleute aus Unterfranken diente die Robert-Bosch-Halle, eine neue Sport-Mehrzweckhalle mit 3 500 Sitzplätzen, als Unterkunft. Viele Helfer zogen es aber vor, angesichts der Enge ("man lag wie Sardinen in der Dose aneinander") ihr Ruhelager im Freien aufzuschlagen. Dann allerdings störte der ständige Hubschrauberlärm.
Beklagt wurde, dass die Helfer mit zu wenigen Informationen versorgt wurden - "die daheim wussten mehr als wir". Das Handy war, zumindest bis der Akku leer war, ein wichtiges Informationsmittel. Dagegen klappte die Versorgung bestens, nicht nur die organisierte in den Feldküchen, sondern auch die Bevölkerung wollte den Helfern Gutes tun, schleppte belegte Brötchen, Pizzas und Obst bei.
Es war besonders bei den heimkehrenden jungen Feuerwehrleuten zu spüren, dass ihre Aufgabe sie mit Stolz erfüllte. Viel hätten sie gelernt. Auch wurde die körperliche Belastungsfähigkeit getestet. Zudem herrschte gerade unter den Bayern eine gute Stimmung, Galgenhumor half, dass zum Ende der Schicht nochmals die Zähne zusammen gebissen wurden. Jedoch sächsisch wurde nicht gelernt, dafür derbe oberbayerische Flüche.
Stellvertretend für seine Kollegen sprach Uwe Harnauer aus Hafenpreppach das Schlusswort: "Drei Dinge mag ich einige Zeit nicht: Sandsäcke, Leberwurstbrötchen und Mineralwasser von drüben, trotzdem würde ich sofort wieder helfen."
Nicht ganz so positiv entwickelte sich die weitere Zusammenarbeit zwischen der bayerischen Feuerwehr und dem Land Sachsen Anhalt. (siehe oben)

20.8.2002 17:00 Uhr Feuerwehrleute aus den Haßbergen wieder zuhause

HASSFURT - "Gegen Hochwasser kann man nichts machen - wir haben alle unser Bestes gegeben." Die Bilanz von Feuerwehrmann Uwe Harnauer nach dreitägigem Einsatz im Katastrophengebiet bei Dessau in Sachsen-Anhalt klingt nüchtern. Völlig abgeschafft ist der 20-Jährige am Montagabend zusammen mit 38 weiteren Feuerwehrkollegen wieder in die Heimat zurück gekehrt. Seit Samstag waren insgesamt 70 Frauen und Männer von verschiedenen Landkreisfeuerwehren im Hochwassergebiet im Einsatz, um gegen die Fluten der Mulde zu kämpfen - zum Teil vergebens. Nicht alle Deiche konnten vor dem Durchbruch gerettet werden.
Am Feuerwehrgerätehaus in Haßfurt wurden am Montagabend 39 Rückkehrer begrüßt, 31 Frauen und Männer blieben bis Dienstag im Hochwassergebiet. Am Montagmorgen wurden nochmals 55 Einsatzkräfte nach Dessau geschickt, sodass dort zeitweise 86 Helfer aus den Haßbergen eingesetzt waren. Aber auch sie kehrten mit ihren Fahrzeugen und der gesamten Ausrüstung am Dienstagnachmittag nach Hause zurück. Die Helfer hatten sich für die Heimfahrt entschieden, da sie vor Ort zunächst nicht mehr benötigt wurden.
Bei einem kurzen Empfang dankte stellvertretender Landrat Heinz Krönert den Feuerwehrleuten. Sie hätten "tolle Hilfsbereitschaft" bewiesen, und ihr Engagement verdiene Anerkennung und Respekt. Kreisbrandinspektor Rudi Lübke wünschte seinen Kollegen, dass sie sich möglichst schnell von dem Kräfte zehrenden Einsatz erholen. Kreisbrandinspektor Werner Stumpf, der im Katastrophengebiet die Einsatzleitung inne hatte, sprach der Mannschaft seinen Respekt aus. Alle hätten motiviert und diszipliniert gearbeitet.
"Man kann nicht beschreiben, was da abgeht", fasst Stumpf seine Eindrücke aus dem Überschwemmungsgebiet zusammen. Die Koordinierung von Tausenden Helfern erfordere auch einen hohen logistischen Aufwand. Beeindruckt war der Einsatzleiter vor allem von dem Zusammenhalt der Menschen vor Ort. Kilometerlang haben sie Seite an Seite gestanden und zehntausende Sandsäcke weiter gereicht. Viele Privatleute haben spontan ihre Hilfe beim Befestigen von Deichen angeboten.
Die Hilfsbereitschaft bekamen auch die Feuerwehrleute aus dem Landkreis zu spüren: Ihnen wurde Essen und Trinken angeboten, denn die Verpflegung war nicht so optimal. Auch nach drei Tagen nahezu pausenlosen Einsatzes fiel es Werner Stumpf schwer, das Hochwassergebiet zu verlassen. "Viele Menschen dort sind in einer ausweglosen Situation, ihr Hab und Gut ist zerstört. Da stehen einem die Tränen in den Augen."
Eingesetzt waren die Feuerwehrfrauen und -männer aus den Haßbergen in Dessau, wo es vor allem im Norden der Stadt galt, zahlreiche Deiche vor dem Durchbrechen zu retten. Auch ein Klärwerk musste vor eindringenden Wassermassen geschützt werden. Ein Kampf gegen die Fluten, der die Einsatzkräfte aufs Äußerste forderte, zumal das Hochwasser teilweise nur wenige Zentimeter unterhalb der Oberkante der Sandsackbarrieren stand.
"Das ist ein Wahnsinn", fasst Uwe Harnauer seine Eindrücke zusammen. Ausschließlich Sandsäcke mussten geschleppt werden, sagt der Feuerwehrmann aus Hafenpreppach, um so die aufgeweichten Dämme zu stabilisieren. "Bei jedem Schritt auf dem Damm, hat es unten das Wasser rausgedrückt."
Beeindruckt hat den 20-Jährigen und seinen 18 Jahre alten Bruder Björn vor allem die Tatkraft der Bevölkerung. "Die Menschen arbeiten wie verrückt, schaufeln stundenlang Sand in Säcke", sagt Uwe Harnauer. "Die Leute tun einem wirklich Leid."
Die Helfer aus den Haßbergen waren nahezu pausenlos im Einsatz. An Schlaf war während der drei Tage fast nicht zu denken. Nur hin und wieder konnten sie sich für einige Stunden "aufs Ohr legen". Trotz der schwierigen Bedingungen, die Motivation bei den Einsatzkräften sei groß gewesen.
Allerdings sah es mit sanitären Anlagen nicht so gut aus. Uwe Harnauer beispielsweise konnte sich während der drei Tage im Katastrophengebiet nicht ein einziges Mal duschen. Klar, dass das nach der Rückkunft sein größter Wunsch war. Und Sandsäcke, Mineralwasser und Leberwurstbrötchen kann der 20-Jährige vorerst auch nicht mehr sehen.
Trotz aller Strapazen, Uwe und Björn Harnauer haben es nicht bereut, im Überschwemmungsgebiet an der Mulde Hilfe geleistet zu haben. Auch ihr Vater Wolfgang und Uwe Koch von der Freiwilligen Feuerwehr Hafenpreppach waren mit im Einsatz. Sie blieben bis Dienstag und kehrten am späten Nachmittag mit dem Restkontingent der Helfer aus Dessau zurück.
Ob die Brüder Uwe und Björn bei vergleichbaren Einsätzen erneut wieder mit von der Partie sein würden? Uwes Freundin Meike Meyer grinst: "Diese Frage ist überflüssig, das sind schließlich Harnauers. . ."

19.8.2002 20:00 Uhr 2. Kontigent aus den Haßbergen unterwegs

Die Hilfsbereitschaft für die vom Hochwasser in Sachsen-Anhalt bedrohten Menschen reißt nicht ab: Am Montagmorgen haben sich 55 Feuerwehrleute aus dem Landkreis auf den Weg nach Dessau gemacht. Sie lösen dort einen Teil der bereits seit Samstag im Katastrophengebiet eingesetzten Hilfskräfte ab.
HASSFURT - Die Bereitschaft, in den Hochwassergebieten zu helfen, ist bei den Frauen und Männern der Landkreis-Feuerwehren nach wie vor ungebrochen. Am Montag um 10 Uhr fuhren Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Stettfeld, Haßfurt, Prappach, Unterpreppach, Eltmann, Steinsfeld, Rentweinsdorf, Ebelsbach, Zeil, Hofheim, Sand, Ermershausen, Unterschleichach, Obertheres, Ebelsbach und Nassach mit einem Omnibus nach Dessau. Dort sollten sie gegen 15.30 Uhr eintreffen.
Sie lösen einen Teil der 73 Feuerwehrkollegen ab, die seit Samstagabend im Katastrophengebiet in Sachsen-Anhalt gegen die Fluten der Mulde und Elbe kämpfen. Wie berichtet waren die Helfer am Samstagmorgen mit insgesamt 13 Fahrzeugen von Haßfurt aus gestartet, nachdem am Freitagabend das Innenministerium ihren Einsatz angefordert hatte.
Wie lange der Einsatz der Helferinnen und Helfer aus den Haßbergen in den Überschwemmungsgebieten dauert, ist nach Worten von Kreisbrandinspektor Rudi Lübke aus Pfarrweisach noch nicht geklärt. Zunächst ist vorgesehen, dass die Mannschaft, die am Montagmorgen nach Dessau aufgebrochen ist, dort bis einschließlich Donnerstag bleibt. Je nachdem wie sich die Lage in Sachsen-Anhalt entwickelt, soll dann entschieden werden, ob am Donnerstag möglicherweise ein drittes Kontingent freiwilliger Helfer startet, die dann bis Sonntag eingesetzt würden.
Die Feuerwehrdienstaufsicht bittet unterdessen alle Feuerwehrleute, die sich an einem möglichen weiteren Katastropheneinsatz im Hochwassergebiet in Ostdeutschland beteiligen möchten, sich umgehend und unverbindlich zu melden. Als Ansprechpartner stehen im Landratsamt Haßberge der Katastrophenschutzstab (v 09521/27-191, -192, -192), Kreisbrandinspektor Rudi Lübke (v 09535/1034, ab 17.00 Uhr) und Kreisbrandinspektor Rainer Schuster (v 09521/3603) zur Verfügung. Interessierte Feuerwehrleute können sich dort melden. Ihr Einsatz, betont Lübke, erfolgt ohne Bezahlung und beruht auf freiwilliger Basis. Teilnehmen können ausschließlich ausgebildete, aktive Feuerwehrfrauen und -männer.
Vor Ort werden die Helfer vermutlich in der Region Dessau eingesetzt. Dort müssen vor allem Dämme befestigt sowie überflutete Gebäude ausgepumpt werden.

19.8.2002 02:00 Uhr Dammbruch bei Dessau

nach Meldungen im Fernsehen ist ein Damm bei Dessau gebrochen, Infos von unseren Kameraden gibt es noch nicht.

 

19.8.2002 Zeitungsbericht der Neuen Presse Ebern

Neue Presse Ebern, Erscheinungstag: Montag, 19.08.2002
Text und Fotos: Michael Will
UNTERSTÜTZUNG AUS DEN HASSBERGEN___________________________________
Mit vereinten Kräften gegen dieHochwasserflut in Dessau
73 Feuerwehrfrauen und -männer helfen Mitmenschen im Katastrophengebiet an der Mulde / Mit 13 Fahrzeugen am Samstag abgefahren
HASSFURT/HOFHEIM - "Man muss da helfen, schließlich kann man selbst auch einmal auf Hilfe angewiesen sein", sagt Wolfgang Harnauer aus Hafenpreppach. Der Kreisbrandmeister ist einer von 73 Feuerwehrleuten, die am Samstagmorgen von Haßfurt aus in die Hochwassergebiete nach Sachsen-Anhalt aufbrechen, um die Helfer vor Ort beim Kampf gegen die Fluten zu unterstützen. Im Gepäck haben sie in ihren insgesamt 13 Einsatzfahrzeugen neben Tauchpumpen und Notstromaggregaten auch Zelte und ein Boot.
Am Freitag gegen 18.30 Uhr erreicht die Feuerwehr eine Anforderung aus dem Innenministerium. Wenig später werden die Führungskräfte alarmiert und treffen sich zu einer Lagebesprechung im Feuerwehrgerätehaus in Haßfurt. Gegen 22 Uhr bereits steht fest, dass aus dem Landkreis über 70 Frauen und Männer von den Feuerwehren Haßfurt, Hofheim, Hafenpreppach, Eltmann, Obertheres, Sand, Stettfeld, Zeil, Kirchaich, Unterschwappach, Oberschwappach und Horhausen mit insgesamt 13 Fahrzeugen in das Katastrophengebiet entsandt werden können. Die Abfahrt wird für Samstag um 10 Uhr festgelegt.
Noch am Freitagabend heißt es, die Feuerwehrleute würden in Bitterfeld benötigt; am Samstagmorgen jedoch wird die Region um Dessau als Einsatzort genannt. Inzwischen ist die 16 000 Einwohner zählende Stadt Bitterfeld aufgegeben worden. Der Pegel der Mulde steigt unaufhörlich und schwappt über die Barrikaden aus hunderttausenden Sandsäcken. Langsam aber sicher wird die gesamte Stadt von der Flutwelle überschwemmt. Einzig der Chemiepark soll noch geschützt werden.
Die Hilfe der Feuerwehrfrauen und -männer aus den Haßbergen wird deshalb an anderer Stelle benötigt. "Grobes Ziel Dessau", wird bei der Abfahrt als Marschbefehl ausgegeben, näher Instruktionen sollen später während der Anfahrt per Funk übermittelt werden.
Wolfgang Harnauer, der zusammen mit seinen beiden Söhnen Björn (18 Jahre) und Uwe (20) unter den Helfern ist, sieht es als Pflicht und Selbstverständlichkeit an, bei so einem Einsatz mitzumachen. An Motivation fehlt es dem 42-Jährigen nicht; auch seine beiden Söhne sowie Udo Koch, alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Hafenpreppach, freuen sich darauf, den betroffenen Menschen in dem Katastrophengebiet durch ihren persönlichen Einsatz helfen zu können.
Im Marschgepäck haben die Feuerwehrleute Verpflegung für einen Tag, Schlafsäcke und Einsatzkleidung in doppelter Ausführung. Den ersten Tag über müssen sie sich selbst versorgen, wurde ihnen gesagt. Was sie in Dessau erwarten wird? "Jede Menge Wasser", ist sich Wolfgang Harnauer sicher.
Optimistisch ist derweil Kreisbrandinspektor Werner Stumpf, der zusammen mit KBI Peter Hegemann die Einsatzleitung inne hat. "Hochwasser ist für uns kein Problem, damit haben wir in Sand viel Erfahrung", scherzt der Einsatzleiter, der selbst in einer häufig vom Main überschwemmten Gemeinde wohnt. Dennoch weiß er, dass alle Helfer in dem Katastrophengebiet bis aufs Äußerste gefordert werden. "Ich hoffe, dass wir vor Ort schnell eingesetzt werden", sagt Stumpf vor der Abfahrt, "das stärkt auch die Moral der Helfer."
Zur Verabschiedung der Feuerwehrleute kommt auch stellvertretender Landrat Heinz Krönert. Er wünscht allen viel Erfolg bei ihrer Arbeit und dass sie unbeschadet wieder nach Hause kommen. Krönert lobt die Einsatzbereitschaft der Helferinnen und Helfer: "Auf unsere Feuerwehr ist Verlass. Ihnen allen gebührt ganz großer Respekt."
Franz Ott vom Katastrophenschutzstab im Landratsamt Haßberge sagt, dass es für die Feuerwehren außerhalb des Landkreises bislang keinen vergleichbaren Einsatz gegeben hat. Aufgrund Neuerungen im Katastrophenschutz könnten solche Anforderungen in Zukunft möglicherweise aber häufiger kommen. Auch er lobt die Freiwilligen für deren Engagement. "Das ist eine ganz tolle Leistung."
Unterdessen steht noch nicht fest, wie lange die Feuerwehrleute im Katastrophengebiet bleiben. Nach momentaner Erkenntnis werden die Helfer voraussichtlich heute Abend von nachrückenden Kräften aus den Haßbergen in Dessau abgelöst.
Am Samstag bestand der Auftrag der 73 Feuerwehrleute zunächst darin, in der Region um Dessau beim Erhöhen und Befestigen von Deichen mitzuhelfen, wie Kreisbrandinspektor Rudi Lübke, der die Koordination in den Haßbergen übernommen hat, der Neuen Presse am Sonntag sagte. Von 19.00 Uhr bis Sonntag um 3.00 Uhr füllten die Feuerwehrleute Sandsäcke und halfen bei deren Transport.
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18.8.2002 15:20 Uhr Telefoninfo von KBM Harnauer

15.20 Uhr: Telefongespräch der Neuen Presse mit KBM Wolfgang Harnauer (Hafenpreppach), der sich zusammen mit weiteren 72 Feuerwehrleuten aus den Haßbergen im Katastrophengebiet bei Dessau (Sachsen-Anhalt) im Einsatz befindet.
· Die Feuerwehrfrauen und -männer aus dem Landkreis sind derzeit am Zusammenfluss der Mulde und Elbe, am nördlichen Stadtrand von Dessau im Einsatz · Dort gilt es, mehrere Deiche mit Sandsäcken zu verstärken · An mehreren Stellen ist bereits Wasser durchgesickert · Die Feuerwehrkräfte aus den Haßbergen haben ihre Pumpen im Einsatz, mit denen das Wasser - so gut es geht - in die Mulde zurück gepumpt wird; zudem wird versucht, Kanäle abzudichten · Die Einsatzkräfte sind am Samstag gegen 17 Uhr in Dessau eingetroffen · Zunächst war geplant, dass ihr erster Einsatz gegen 23 Uhr beginnt; allerdings wurden die Helfer bereits um 19 Uhr zum Einsatz gerufen · Es galt, beschädigte Deiche mit Sandsäcken zu befestigen · Die Feuerwehrleute aus den Haßbergen arbeiteten bis ca. 3.00 Uhr, dann erfolgte die Rückfahrt zur Unterkunft, wo die letzten gegen 4 Uhr ankamen · Die Helfer sind in einer großen Turnhalle untergebracht · Manche Kollegen, sagt Harnauer, haben nicht einmal 4 Stunden geschlafen und haben sich dann wieder an die Arbeit gemacht · Heute (Sonntag) wurden die Helfer bereits am Vormittag zum Einsatz gerufen · Die Alarmfahrt führte gegen 11.00 Uhr in den Norden von Dessau, an den Zusammenfluss von Mulde und Elbe, wo derzeit immer noch fieberhaft daran gearbeitet wird, die instabilen Deiche mit Tausenden Sandsäcken abzudichten · Das Schleppen der Sandsäcke ist Knochenarbeit und zehrt entsprechend an den Kräften, berichtet Wolfgang Harnauer · Die Helfer aus den Haßbergen sind tief bewegt: Tausende Menschen - Kinder, Frauen und Männer - stehen kilometerlang Seite an Seite und versuchen gemeinsam, den drohenden Bruch von Deichanlagen zu verhindern · Wolfgang Harnauer: "Die Menschen arbeiten Tag und Nacht, das ist beeindruckend" · Für Montagnachmittag ist geplant, dass ein Teil der derzeit eingesetzten Feuerwehrleute aus den Haßbergen von Kollegen aus der Heimat abgelöst wird; die Ablösung soll am Montagmorgen in Haßfurt starten · Wie lange der Einsatz dauern wird, sei derzeit nicht abzusehen. Manche Helfer hätten angekündigt, noch mehrere Tage bleiben und den Menschen im Katastrophengebiet helfen zu wollen

 

17.8.2002 9:00 Uhr Feuerwehr Hofheim bei der Abfahrt

Die 8 Kameraden der FW Hofheim und unser Kabi bei der Abfahrt zum Hochwassereinsatz nach Dessau. Links im Bild 2. Bürgermeister Wolfgang Borst und 1. Kommandant Bernhard Hofmann (Text FW Hofheim)



e_dessau_01Bild: German Schneider

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 03. Januar 2009 um 11:36 Uhr
 
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